Kommentar eines Außenstehenden zur 3. Versammlung aller Studierenden der FAU am 12.12.11

Gezielte Desinformation, demokratische Farce oder „was soll der Scheiß?“
Am 12. Dezember 2011 fand im Audimax die dritte Versammlung aller Studierenden (VaS) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg statt. Abgesehen vom Organisationsteam schafften es immerhin 120 motivierte Demokraten die Veranstaltung des studentischen Konvents der Universität zu besuchen. Diese gewaltige demokratische Basis, auch als Plenum bezeichnet, entschied dann, mit der Hilfe des Moderators, über die Politik der Studierenden für die kommende Zeit. Tatsächlich gelang es nicht allen Anwesenden in den Diskussionszeiten von maximal 35 Minuten pro Themenblock ihre Meinung zu äußern. Auch wenn manche der wenigen Argmutierenden länger als andere reden durften, die ca. 0,3% aller Studierenden, die anwesend waren, hatten immerhin kaum eine (hochschul)politische Vorbildung. Dem gegenüber zu stellen ist, dass die restlichen 99,7% aller Studierenden der FAU entweder keine Meinung haben, diese nicht äußern wollen, oder mit den aktuellen Gegebenheiten ihres Studiums nicht unzufrieden zu sein scheinen. Also kann die Versammlung aller Studierenden als demokratische Anmaßung bezeichnet werden.
Die Ergebnisse der letzten VaS sind kaum bearbeitet worden und tatsächlich kam die Frage auf, was sich denn geändert hätte. Interessanter Weise konnte niemand, auch keiner der Veranstalter, gefunden werden, der diese Frage auch nur ansatzweise beantworten konnte. Hmmm. Die Informationsvorträge der Arbeitsgruppe „Versammlung aller Studierenden“ waren nicht gut recherchiert, enthielten Fehler oder zeugten, z.B. im Bereich Akkreditierung, vom Unwissen der Vortragenden, aber informieren sollte diese dritte VaS ja anscheinend auch nicht.
Immerhin wurde Meinungsäußerung jeder Art gestattet, auch wenn diese nicht immer etwas mit den eigentlichen Themen zu tun hatte was der Diskussion ein wenig abträglich war. Die meisten der Fragen aus dem Publikum konnten zwar beantwortet werden aber wenn alle gewählten Vertreter der Studierenden mit Anwesenheit geglänzt hätten, hätten doch vielleicht alle Fragen beantwortet werden können. Immerhin waren mehr gewählte Vertreter anwesend als bei den letzten Versammlungen.
Das neue Loge der FAU ist scheiße, darüber ist sich die Versammlung seit der Einführung des Image-Symbols einig. Wird aber durch das Zurückholen des alten Logos die Welt ein besserer Ort? Man sollte es meinen, betrachtet man die Lebhaftigkeit der weiter andauernden Diskussion. Die VaS forderte den Rücktritt des Präsidenten der FAU, Prof. Dr. Karl-Dieter Grüske. Und damit wird tatsächlich, man mag es kaum glauben, alles besser für Studierende! Es wird mehr Geld und mehr Stellen für die Lehre geben, einen Studienplatz für jeden, die nordische Philologie wird erweitert anstatt eingestampft (siehe Desinformation und Hochschulpolitische Vorbildung) und es wird in Kürze einen AStA an der FAU geben! Außerdem kriegen wir das alte Uni-Logo zurück!
Positiv war immerhin, dass die VaS dieses Mal wieder Hochschulgruppen die Möglichkeit geboten wurde, sich vorzustellen. Leider konnten anscheinend nicht allen Hochschulgruppen und Gremien informiert oder in Betracht gezogen. Das Alkoholangebot sorgte dafür, dass Interessierte zumindest nicht sofort nach der Versammlung flüchten.
Nun also zur großen Frage: Was ist eigentlich das Ziel der VaS? Die Frechheit, diese Versammlung, der im Hochschulgesetz verankerte, demokratische Wahlen gegenüberstehen, als politisch richtungsweisend zu bezeichnend, sollte bei der Masse der anwesenden Studierenden selbst für den studentischen Konvent peinlich sein, zumal dieser ja abgesehen von langwieriger Meinungsfindung ohnehin größtenteils die Arbeit und Durchführung auf andere abgeschoben hat (vgl.
Konventsbeschlüsse der Sitzung vom 25.10.11). Die VaS ist zwar in der Grundordnung der Universität verankert hat aber rechtlich keinerlei Bedeutung. Die Informationspolitik kann dieses Mal auch definitiv nicht im Vordergrund gestanden haben. Bleiben also Werbung für die gewählte Studierendenvertretung und der klägliche Aufruf zur Mitarbeit und zur demokratischen Mitwirkung. Die Zahlen zeugen vom Scheitern der Demokratie, Mitarbeiter konnten bisher nie gewonnen werden. Beschlüsse vergangener Versammlungen wurden nicht korrekt aufgearbeitet und dienen nun plötzlich als Grundlage für Veranstaltungen die von anderen gewählten Vertretern einberufen wurden und für sowieso für niemand (mehr) bindend sind. Die Beschlüsse der VaS können also auch nicht den Selbstzweck der Versammlung erklären, zumal sonst gewählte studentische Vertreter des Zentralen Studienbeitragsgremiums der FAU in Clownskostümen auf die Sitzungen dieses Gremiums gehen würden.
Einen Lichtblick gibt es allerdings: die Organisatoren des Arbeitskreises „Versammlung aller Studierenden“ sind hochmotiviert und so werden sicherlich bis zur nächsten VaS die wenigen der angesprochen Lösungsmöglichkeiten für die Verbesserung der Umstände an der FAU umgesetzt werden und damit das Studium an dieser Universität deutlich verbessert. Es wurde beispielsweise angemerkt, dass nicht nur an der FAU Geld fehle, sondern dass dies ein Problem der ganzen Welt sei. Hier können wir uns sicher sein, dass sich die VaS in Bälde auch um dieses Problem gekümmert haben wird.

Veröffentlicht am in Vollversammlung | 19 Kommentare

19 Responses to Kommentar eines Außenstehenden zur 3. Versammlung aller Studierenden der FAU am 12.12.11

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.