Die 5 von 100 Besten

In der letzten Sitzung des studentischen Konvents wurde, wie von Phillip erwähnt, auch über die Befreiung der „5 von 100 Besten“ diskutiert. Anstoß dabei war vor allem, dass die aktuelle Regelung starke Mängel aufweist. Nach langer Diskussion und einem klarem Meinungsbild (Nachbessern oder komplett abschaffen? – letzteres wurde von fast allen bevorzugt) habe ich meinen ersten Antrag im Konvent gestellt: Eine klare Positionierung anhand des Meinungsbildes, also dass diese Regelung auch mit Nachbesserung von unserer Seite generell nicht erwünscht ist. Zu meiner Freude wurde dieser von einer breiten Mehrheit getragen.

Hier möchte ich nun erläutern, wieso ich es für sinnvoll halte, dass „die 5 von 100 Besten“ nicht befreit werden. Wieso sollte denn unsere Elite nicht gefördert werden? Was spricht dagegen, Leistung zu belohnen? Ist die Aussicht auf Befreiung nicht etwas gutes für alle Studenten?

Genau hier besteht Klärungsbedarf. Denn ja, ich halte es durchaus für sinnvoll, die „Elite“ zu fördern, oder überhaupt eine Elite aufzubauen. Genauso, dass Leistung belohnt wird. Und auch wenn ich zu alt bin, um noch befreit zu werden, glaube ich sogar, dass ich selbst ein „heißer Kandidat“ für diese Befreiung gewesen wäre.
Das grundsätzliche Problem bei dieser Befreiung ist jedoch, dass bisher keine adequaten Mittel in Sicht sind, sie überhaupt nur halbwegs gerecht und nachvollziehbar zu gestalten. Und die soziale Gerechtigkeit im Besonderen. Schauen wir es uns genauer an:

  • befreit wird nur anhand der Vordiplomsnote
  • befreit wird nur der- oder diejenige, der/die das Vordiplom in der Regelzeit abgeschlossen hat (üblicherweise 4 Semester)
  • in einigen Fächern divergieren die Noten nicht stark genug, um wirklich eine Vergleichsbasis zu schaffen (z.B. nur ganze Notenstufen)

Dazu kommen jetzt noch weiterreichende Unregelmäßigkeiten, die sich aber korrigieren ließen.

Nun haben wir erstmal das Problem, dass die Vordiplomsnote bisher kaum eine Rolle gespielt hat und hiermit künstlich aufgewertet wird. Problematisch, da viele Vordiplomsteilprüfungen immer noch Scheinprüfungscharakter haben (d.h., die Note ist nicht wirklich aussagekräftig). Da die Befreiung ja für das gesamte restliche Studium gilt und es somit um einen nicht unerklecklichen Geldbetrag handelt, kann man sich auch auf verbitterte Kämpfe(r) im Grundstudium einstellen. Übrigens interessant, wie man bei einem 6- oder gar 7-semestrigen Bachelor verfahren will.

Dann haben wir das Problem, dass Leistung im Hauptstudium grundsätzlich nicht belohnt wird. Hier gibt es anscheinend keine adäquate Lösung, denn andere Noten als die des Vordiploms herzuziehen und z.B. semesterweise die 5 % Besten auszurechnen, scheitert an verschiedenen Prüfungsmodalitäten oder schlichtweg zu wenig Prüfungsnoten im Hauptstudium.

Zuletzt bleibt noch zu nennen, dass eine Befreiung im Zeitraum des Grundstudiums grundsätzlich nicht möglich ist.

Als nächstes betrachten wir den zweiten genannten Punkt: Das Zeitlimit. Wer krank ist, oder einen Schein nicht rechtzeitig ablegen kann (und das ist oftmals auch ein Kapazitätenproblem der Uni), fällt hier aus dem Rahmen. Könnte man korrigieren, doch ist dann das später abgelegte Prüfungsergebnis nicht mehr wirklich vergleichbar. Wieso man dieses Limit aber an sich braucht, ist auch klar: Sonst könnte taktierend gewartet werden. Weniger Prüfungen auf einmal schreiben hilft bei den Noten ungemein. Ich wüsste nicht, wie man auf diese Einschränkung verzichten könnte – sie birgt aber ein großes Problem.

Und damit wären wir dann beim Thema soziale Gerechtigkeit. Ich habe damals im Grundstudium genügend Geld von meinen Eltern bekommen, um die Zeit zu verwenden, wie ich Lust und Laune hatte. Jetzt konnte ich also bequem die Zeit nutzen, um intensiv zu lernen (oder auch nicht). Andere dagegen arbeiten die halbe Woche unter dem Semester, oder nehmen die Semesterferien für einige Wochen Vollzeit-„Ferienjob“. In der Techfak, in der die Prüfungen am Ende der Ferien gestellt werden, ist hier klar, wer sicherlich nicht die besten Noten schreiben wird, weil nicht mehrere Wochen auf jede Prüfung gelernt werden konnte. Genau genommen werden viele Prüfungen aus diesen Gründen auch verspätet abgelegt.

Jetzt sind aber genau diejenigen, die sich ihr Studium selbst finanzieren und damit länger zum Studieren brauchen, oder eben (bisher unrelevante) schlechtere Noten in der Grundstudiumszeit in Kauf nehmen, eben jene, bei denen eine Befreiung von den Gebühren am stärksten förderlich wäre. Wer aber bequem durch’s Grundstudium marschieren konnte, wird in der Regel auch im Hauptstudium die Gebühren als keine allzu große Belastung für sein Studium empfinden.

 

Wo stehen wir nun? Für mich bei dem Schluss, dass eine solche Befreiung erstmal leider keinen wirklichen Sinn macht. Andere untermauern das auch mit dem Argument, dass man sich mit einem sehr guten Vordiplom auch so schon bei zahlreichen Stiftungen um ein Stipendium bewerben kann. Mehr Sinn machen würden da schon, wie von studentischer Seite längst vorgeschlagen, spezielle zusätzliche Lehrveranstaltungen oder Förderkurse anzubieten, die von den nun zur Verfügung stehenden „Befreiungsgelder“ finanziert werden können und für die man sich qualifizieren muss.

Ich würde mich aber freuen, wenn sich sinnige und stimmige Regelungen finden würden, die die Befreiung spezifischer Studierender von den Gebühren ermöglichen würden und ihr eine positive Wirkung abgewinnen könnten. Wer Ideen dazu hätte, zögere nicht mit einer Antwort!

Veröffentlicht am in Konvent, Studiengebühren | 14 Kommentare

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